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Klimamodelle unterschätzen Grönlands Eisschmelze um die Hälfte – Expertenwarnung

Internationale Wissenschaftler warnen: Aktuelle Klimamodelle unterschätzen den zukünftigen Eisverlust der grönländischen Eisschicht erheblich. Ihre Analyse basiert auf dem Rekordjahr 2019.

Damals führte nicht nur die Hitze, sondern auch ungewöhnliche atmosphärische Verhältnisse zu klarem Himmel im Sommer und massivem Schmelzen, wie Forscher um Dr. Marco Tedesco vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University betonen.

Aktuelle globale Modelle erfassen die Effekte eines "welligen Jetstreams" nicht ausreichend – ein Muster, das extreme Wetterlagen begünstigt. "Es ist fast so, als würde man die Hälfte des Schmelzens verpassen", erklärt Dr. Tedesco.

Die grönländische Eisschicht birgt Eis für bis zu sieben Meter Meeresspiegelanstieg. Ein besseres Verständnis atmosphärischer Zirkulationsmuster ist essenziell, um präzise Prognosen zu erstellen, so der Experte.

Das Team nutzte Satellitendaten, Bodenmessungen und Modelle, um den Sommer 2019 zu rekonstruieren: Grönland verlor rund 320 Milliarden Tonnen Eis – das schlimmste Jahr seit Messbeginn, vor 2012 mit 310 Milliarden Tonnen.

Klimamodelle unterschätzen Grönlands Eisschmelze um die Hälfte – Expertenwarnung

Der Verlust hing mit langanhaltenden Hochdrucklagen (antizyklonalen Bedingungen) zusammen, die im Süden wolkenfreien Himmel schufen und mehr Sonnenstrahlung auf die Oberfläche ließen.

Dadurch fiel 2019 etwa 50 Milliarden Tonnen weniger Schnee an als üblich. Im Norden und Westen transportierte das rotierende System warme, feuchte Luft, die einen Treibhauseffekt verstärkte.

Solche Bedingungen werden häufiger, warnen die Forscher. Dr. Tedesco: "In den letzten Jahrzehnten treten sie öfter auf – verursacht durch die Welligkeit des Jetstreams, beeinflusst vom arktischen Schnee- und Meereisverlust sowie regionalen Temperaturunterschieden."

Die Studie erschien in der Fachzeitschrift The Cryosphere.