Schauen Sie sich eine Packung Quorn-Hackfleisch an: Eine 75-g-Portion liefert 10,9 g Protein, 3,4 g Kohlenhydrate und nur 0,4 g gesättigte Fettsäuren. Später in diesem Jahr wird die Verpackung zusätzlich enthüllen, dass bei der Herstellung dieser Portion das Äquivalent von 0,16 kg Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt wurde.
Seit 2011 kooperiert Quorn Foods mit Forschern der Sheffield Hallam University und Innovate UK, einer öffentlichen Forschungsförderung, um den CO₂-Fußabdruck seiner fleischfreien Produkte zu ermitteln. Nun hat das Carbon Trust diese Daten zertifiziert, und Quorn plant, sie noch dieses Jahr auf den Verpackungen anzubringen.
„Dies informiert Verbraucher besser über die Umweltauswirkungen ihrer Lebensmittel“, erklärt Quorn Foods. Doch hilft diese Kennzeichnung wirklich, den eigenen CO₂-Fußabdruck zu verstehen und zu senken? Und wie nah kommen wir einer klimaneutralen Ernährung?
Der Medienrummel zeigt: Verbraucher wollen ihren CO₂-Fußabdruck reduzieren. Die Ernährung ist ein idealer Einstieg.
Laut einer Studie von 2012 verursachen lebensmittelbezogene Prozesse rund ein Fünftel der jährlichen Treibhausgasemissionen in Großbritannien – das sind 167 Millionen Tonnen CO2e.
Treibhausgase werden als CO2e (Kohlendioxidäquivalent) gemessen: Eine Kennzahl, die das Erwärmungspotenzial aller Gase wie CO₂, Methan oder Stickoxide zusammenfasst.
CO₂-Fußabdrücke sind entscheidend
Briten, die ihren Fußabdruck mindern wollen, sollten bei der Ernährung ansetzen – ein Bereich mit hoher Kontrolle.
„Viele wohnen zur Miete und können Heizung oder Auto nicht ändern“, sagt Prof. Peter Scarborough von der University of Oxford, Experte für Ernährung und Nachhaltigkeit. „Aber die Ernährung können sie jederzeit umstellen.“
Ob Etiketten mit CO₂-Werten helfen, ist fraglich. Nüchternheitsampeln gibt es seit Jahren, doch Scarboroughs Studien zeigen: Verbraucher nutzen sie selten effektiv.
Bei einem Produkt mit zwei grünen und zwei roten Ampeln versus einem mit einem grünen, einem roten und zwei bernsteinfarbenen – was ist gesünder?
Oder im Supermarkt: Ist der CO₂-Fußabdruck einer Fertig-Bolognese höher als bei Hackfleisch, Zwiebel, Basilikum und Tomaten?
Tomaten illustrieren ein Kernproblem: Gleiche Produkte variieren stark. Prof. Adisa Azapagic von der University of Manchester analysierte Gemüse-Fußabdrücke: Ein Kilo britischer Tomaten verursacht 12,5 kg CO2e, importierte aus Spanien nur 1,3 kg.

Grund: Britische Tomaten wachsen in energieintensiven Gewächshäusern, spanische auf Feldern. Transportkosten sind vernachlässigbar – Import ist oft umweltfreundlicher.
„Selbst mit Transport bleibt die spanische Tomate klimafreundlicher“, betont Azapagic. Mythos enttarnt: Lokal ist nicht immer besser.
Warum weniger Fleisch essen?
Die Lösung: Weniger Fleisch. Scarboroughs 2014-Studie: Fleischbasierte Ernährung emittiert 4,7–7,2 kg CO2e täglich, vegan nur 2,9 kg. Vegetarier und Pescetarier liegen dazwischen (3,8–3,9 kg).
Fleisch ist ineffizient: Tiere fressen Getreide, das Menschen direkt essen könnten, und verbrauchen Energie für Wärme und Organe.
Bei Hühnern ist es milder, doch alle Fleischsorten belasten hoch. Kein Wunder, dass Veganer in UK auf 600.000 anstiegen – viermal mehr als 2014.
Kein Veganismus nötig: Prof. Ermias Kebreab (UC Davis) zeigt, Algenzusatz im Futtermittel halbiert Methanemissionen von Kühen um 50 %.

„Methan ist der Hauptverursacher – eine 50%ige Reduktion ist enorm“, sagt Kebreab. Dennoch bleibt Fleisch belastender als pflanzliche Alternativen.
Können wir Fleisch behalten?
Scarborough plädiert nicht für Veganismus: Moderate Tierhaltung düngt Böden effizient. Das Problem ist die Menge.
Weniger Fleisch ermöglicht artgerechte Haltung. Ziel: Eine Portion pro Woche.
Dr. Graham Horgans Algorithmus (Biomathematics and Statistics Scotland) optimiert Einkäufe: Kleine Anpassungen senken CO₂ auf 3,1 kg/Tag – nah am veganen Niveau.
Zusätzlich: Weniger Verschwendung. Dr. Monika van den Bos Verma (Wageningen) schätzt 527 Kalorien pro Person täglich im Müll.

„Größeres Problem, größere Chance“, sagt sie. Mit Bewusstsein wandeln wir Brot zu Paniermehl, Bananen zu Muffins.
Scarborough: Gewohnheiten ändern sich – wie seit Jahrzehnten bewiesen.
Vollständig CO₂-frei? Schwierig, aber mit weniger Fleisch und Aufforstung kompensierbar. „Faszinierend“, sagt Scarborough.