Forscher haben Beweise entdeckt, dass frühe Homo sapiens vor etwa 46.000 Jahren Europa besiedelten – deutlich früher als lange angenommen. Dies deutet auf eine längere gemeinsame Zeit mit Neandertalern hin.
Analysen von Knochenresten und Werkzeugen aus der bulgarischen Bacho-Kiro-Höhle belegen eine Überschneidung der Populationen, die Interaktionen zwischen Homo sapiens und Neandertalern ermöglichte.
Der moderne Mensch erreichte Europa vor rund 45.000 Jahren und löschte die Neandertaler bald darauf aus. Diese Übergangsphase vom Mittel- zum Jungpaläolithikum war lange Gegenstand hitziger Debatten.

Zwei Studien in Nature und Nature Ecology & Evolution beschreiben hominine Überreste und Artefakte aus der Höhle.
In einer Studie wurde ein Zahn als Homo sapiens identifiziert, ergänzt durch vier weitere Knochenreste, die durch alte Proteine und DNA als menschlich bestätigt wurden.
Das Papier in Nature Ecology & Evolution datiert sie auf 46.940 bis 43.650 Jahre. DNA-Analysen ergeben 44.830 bis 42.616 Jahre und unterstützen die Radiokohlenstoffdaten.
Ein internationales Team nahm 2015 die Ausgrabungen in der Bacho-Kiro-Höhle wieder auf.
Jean-Jacques Hublin, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, betont: „Die Bacho-Kiro-Höhle liefert Beweise für die erste Ausbreitung von H. sapiens in den mittleren Breiten Eurasiens. Pioniergruppen brachten neue Verhaltensweisen nach Europa und interagierten mit lokalen Neandertalern. Diese frühe Welle liegt größtenteils 8.000 Jahre vor ihrem endgültigen Aussterben in Westeuropa.“
Die Grabungen förderten Ornamente zutage, darunter Anhänger aus Bärenzähnen, ähnlich denen aus neandertalerassoziierter Fundstellen.

Die Ergebnisse zeigen: Moderne Menschen expandierten vor 45.000 Jahren in die mittleren Breiten Eurasiens, überschnitten sich mit Neandertalern, beeinflussten ihr Verhalten und ersetzten sie schließlich.
„Die Mehrheit der datierten Tierknochen aus dieser dunklen Schicht trägt Spuren menschlicher Bearbeitung, wie Schlachtmale“, ergänzt Helen Fewlass vom Max-Planck-Institut. „Zusammen mit den direkten Daten aus Menschenknochen entsteht ein klares Bild: Homo sapiens besiedelte die Höhle erstmals vor 45.820 bis 43.650 Jahren – möglicherweise schon vor 46.940 Jahren.“