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Fast Fashion muss langsamer werden: Aalto-Forscher warnen vor massiven Umweltschäden

Die Fast-Fashion-Industrie muss dringend auf ein „langsames“ Modell umsteigen, um ihre gravierenden Umweltbelastungen zu reduzieren. Das betonen Experten der Aalto-Universität in Finnland.

In einem kürzlich in Nature Reviews Earth and Environment veröffentlichten Artikel heben die Forscher hervor, dass die Umweltauswirkungen der globalen Mode-Lieferkette weiter zunehmen. Die Branche produziert derzeit über 92 Millionen Tonnen Abfall jährlich, verbraucht 79 Billionen Liter Wasser und ist für etwa 10 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zudem verursacht sie erhebliche chemische Verschmutzungen.

Entwicklungsländer tragen die Hauptlast der Umweltauswirkungen, da dort die Produktion stattfindet – während Industrieländer die Produkte hauptsächlich konsumieren, so die Studie.

Die Modebranche wird in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen: Marken produzieren bereits fast doppelt so viel Kleidung wie vor 20 Jahren. Bis 2030 soll der globale Textilverbrauch um mehr als 60 % auf 102 Millionen Tonnen steigen.

Vor 15 Jahren lancierten Marken vier Kollektionen pro Jahr, heute oft kontinuierlich neue. Kirsi Niinimäki, außerordentliche Professorin für Modeforschung an der Aalto-Universität und Hauptautorin, fordert ein grundlegendes Verlangsamen des Systems.

„Es ist entscheidend, dass Verbraucher akzeptieren: Billige Kleidung ist nicht nachhaltig, wenn alle Umweltauswirkungen berücksichtigt werden“, erklärt Niinimäki. „Zukünftig weniger produzieren, weniger kaufen – und weniger Abfall erzeugen.“

Im Vereinigten Königreich kaufen Menschen pro Kopf mehr Kleidung als anderswo in Europa. Ein parlamentarischer Ausschuss empfahl kürzlich eine „Herstellerverantwortungsgebühr“ von einem Cent pro Stück, um Recycling zu fördern.

Fast Fashion muss langsamer werden: Aalto-Forscher warnen vor massiven Umweltschäden

Mark Sumner, Dozent für Nachhaltigkeit in Handel und Mode an der University of Leeds, lobt den Überblick des Papers, bemängelt aber, dass Erfolge verantwortungsvoller Marken fehlen. „Es gibt Erfolgsgeschichten, doch zu wenige wenden Best Practices an“, sagt er und plädiert für einen systemischen Ansatz jenseits reiner „Slow Fashion“.

„Ein systemweiter Wechsel ist essenziell, um nachhaltige Alternativmodelle zu entwickeln“, schließt Sumner.