Im Jahr 2019 verzeichnete Großbritannien zahlreiche neue Temperaturrekorde, da der Klimawandel zunehmende Auswirkungen auf das Wetter zeigt, wie das renommierte Met Office in seinem jährlichen State of the UK Climate Review berichtet. Dieser von Meteorologie-Experten erstellte Bericht unterstreicht die anhaltende Erwärmung des Landes.
Die Durchschnittstemperatur 2019 lag 1,1 °C über dem langfristigen Mittel von 1961–1990. Das letzte Jahrzehnt war im Vereinigten Königreich insgesamt 0,9 °C wärmer als dieser Referenzzeitraum.
Besonders auffällig waren die gebrochenen Rekorde: Am 25. Juli maß der Botanische Garten der University of Cambridge mit 38,7 °C die höchste Temperatur aller Zeiten in Großbritannien.
Weitere Höhepunkte: Ein neuer Winterrekord von 21,2 °C am 26. Februar in Kew Gardens, London – erstmals überschritten 20 °C in einem Wintermonat. Im Dezember wurde in Achfary, Sutherland, 18,7 °C gemessen, ein neuer Monatsrekord. Zudem hielt die mildeste Februarnachtstiefsttemperatur in Achnagart im Hochland mit 13,9 °C am 23. Februar stand. Keine Kälterekorde wurden 2019 aufgestellt.

Der Klimawandel brachte auch andere Extreme: Überschwemmungen trafen Mitte Juni Lincolnshire, Ende Juli die Pennines und Nordengland sowie im November South Yorkshire, Derbyshire, Nottinghamshire und Lincolnshire.
Alle 10 wärmsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn 1884 fielen seit 2002 – 2019 landete auf Platz 12. Die Central England Temperature Series, die weltweit längste kontinuierliche Temperaturreihe seit 1659, bestätigt: Das 21. Jahrhundert ist wärmer als die vorherigen drei Jahrhunderte.
Mike Kendon, Hauptautor des Met Office, erklärt: „Unser Bericht zeigt, dass der Klimawandel zunehmende Auswirkungen auf das Klima im Vereinigten Königreich hat. Dieses Jahr war wärmer als jedes zwischen 1884 und 1990. Die 10 wärmsten Jahre seit 2002 – um ein Kälstes in die Top 10 zu finden, muss man bis 1963 zurückgehen.“

Dr. Mark McCarthy, Leiter des National Climate Information Centre: „Die Statistiken belegen einen klaren Erwärmungstrend. Wir dokumentieren Veränderungen bei Niederschlag, Schnee, Sonnenschein, Meeresspiegel und sogar Baumblättern – bedingt durch globalen Klimawandel und natürliche Variabilität.“
Der Bericht integriert Daten aus dem Citizen-Science-Programm „Nature’s Calendar“ des Woodland Trust: Erste Blätter trieben 2019 im Schnitt 9,7 Tage früher als der Basiswert 1999–2018 aus, bedingt durch warmen Winter und frühen Frühling. Herbstlaubfall erfolgte später als üblich.
Darren Moorcroft, Geschäftsführer des Woodland Trust: „Durch warmen Winter und milden Frühling kamen die Blätter fast 10 Tage früher. Das wirkt sich tief in der Nahrungskette aus. Bäume und Wildtiere stehen an der Klimawandel-Front – einige Arten passen sich besser an. Eine Mahnung zu sofortigen Maßnahmen.“