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COVID-19-Lockdowns sorgen für globale Stille: Menschlicher seismischer Lärm sinkt um 50 Prozent

Wissenschaftler haben festgestellt, dass globale Bodenvibrationen durch menschliche Aktivitäten wie Luft- und Straßenverkehr sowie Industrie zwischen März und Mai 2020 um durchschnittlich 50 Prozent abnahmen.

Forscher bezeichnen diesen „drastischen“ Rückgang des seismischen Hintergrundrauschens – verursacht durch weltweite COVID-19-Sperrmaßnahmen – als die „längste und prominenteste globale Reduzierung seismischer Geräusche in der aufgezeichneten Geschichte“.

Diese monatelange Dämpfung ermöglichte Geowissenschaftlern, Naturereignisse wie kleine Erdbeben zu erkennen, die sonst – besonders tagsüber bei hoher menschlicher Aktivität – unentdeckt geblieben wären.

Die Ergebnisse, veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift Science, könnten Forschern helfen, Methoden zur Vorhersage von Naturkatastrophen zu verbessern.

Dr. Thomas Lecocq vom Royal Observatory of Belgium, Hauptautor der Studie, erklärte: „Mit zunehmender Urbanisierung und wachsender Weltbevölkerung leben mehr Menschen in geologisch gefährdeten Gebieten.“

COVID-19-Lockdowns sorgen für globale Stille: Menschlicher seismischer Lärm sinkt um 50 Prozent

„Es wird daher wichtiger denn je, zwischen natürlichen und menschengemachten Vibrationen zu unterscheiden, um Bodenbewegungen unter unseren Füßen besser „zu hören“ und zu überwachen.“

„Diese Studie könnte dieses neue Forschungsgebiet ankurbeln.“

Ein internationales Forscherteam, einschließlich Experten vom Imperial College London, nutzte Seismometer, um Vibrationen in der Erdkruste zu messen. Diese Geräte erfassen nicht nur Erdbeben und Vulkane, sondern auch anthropogene seismische Signale.

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Die Analyse von Daten aus 268 Stationen in 117 Ländern zeigte eine „Welle“ der Beruhigung: Sie begann Ende Januar 2020 in China und breitete sich im März und April auf Europa und die Welt aus.

In dicht besiedelten Städten wie Singapur und New York City war der Rückgang am stärksten, doch auch in entlegenen Regionen wie dem deutschen Schwarzwald oder Rundu in Namibia fiel der Lärm spürbar ab.

An Universitäten und Schulen in Großbritannien und den USA betrug die Reduzierung 20 Prozent mehr als während der Schulferien. Die Autoren notieren: „Der Lärmpegel hielt länger an und war oft leiser als in der Weihnachts- und Neujahrszeit.“

In Ländern wie Barbados, wo Lockdowns mit der Touristensaison zusammenfielen, sank der Lärm um 50 Prozent.

Die Wissenschaftler erwarten, dass ihre Arbeit zu neuen Erkenntnissen über verborgene Erdbeben- und Vulkansignale führt.

Dr. Stephen Hicks von der Imperial College-Abteilung für Geowissenschaften und Ingenieurwesen betonte: „Diese ruhige Phase ist wahrscheinlich die längste und größte Dämpfung anthropogenen seismischen Lärms seit Beginn detaillierter globaler Seismometer-Netzwerke.“

„Unsere Studie verdeutlicht einzigartig den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die feste Erde und hilft, natürlichen von menschengemachtem Lärm zu trennen.“

Er schließt: „Wir hoffen, dass dies neue Forschungen anstößt, um besser auf die Erde zu hören und subtile natürliche Signale zu erkennen.“