DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Empfindlicher Schnabel: So spürten Flugsaurier Beute wie moderne Enten – Studie der Universitäten Portsmouth und Bath

Flugsaurier, die nahen Verwandten der Dinosaurier, entwickelten hoch empfindliche Schnäbel, um Nahrung effizient zu finden – ähnlich wie bei heutigen Enten, berichten Paläontologen der Universitäten Portsmouth und Bath.

Diese fliegenden Reptilien erschienen vor über 200 Millionen Jahren und beherrschten mehr als 100 Millionen Jahre lang die Lüfte.

Manche Arten wogen über 200 kg und erreichten Flügelspannenweiten von bis zu 10 Metern oder mehr – vergleichbar mit einem kleinen Flugzeug wie der Spitfire.

Bisher ging man davon aus, dass Flugsaurier ihre scharfen Augen nutzten, um Beute auszumachen, die sie dann mit den Kiefern packten oder mit spitzen Schnäbeln aufspießten.

Neuere Analysen deuten jedoch darauf hin, dass bestimmte Arten die sensible Schnabelspitze einsetzten, durchsetzt mit Nervenfasern im Knochen – vergleichbar mit Enten, Strandläufern oder Kiwis.

Professor David Martill von der University of Portsmouth, Hauptautor der Studie, untersuchte das Fossil im Natural History Museum in London. Er erklärt: „Dieser Fund zeigt, dass Flugsaurier wie Vögel eine breite Palette an Fütterungsstrategien entwickelten, inklusive raffinierter Methoden zur Beutesuche.“

„Viele nutzten ihre scharfen Augen, um von der Luft aus zu jagen, während sie Beute am Boden anpirschten. Diese Art hingegen tastete mit dem empfindlichen Schnabel im flachen Wasser oder Schlamm herum – ähnlich wie eine Stockente oder ein Löffler, möglicherweise sogar nachts.“

„Solche Tiere hätten selbst in trübem Schlamm Fische entdeckt.“

  • Abonnieren Sie den Science Focus Podcast auf diesen Diensten: Acast, iTunes, Stitcher, RSS, Overcast

Die Forscher analysierten ein Fossil der Art Lonchodraco giganteus, entdeckt in einer Kreidegrube nahe Kent.

Sie entdeckten Dutzende winziger Löcher in der Schnabelspitze, durch die Nervenbündel verliefen.

Dieses Merkmal findet sich auch bei modernen Vögeln wie Kiwis, Strandläufern, Schnepfen, Löfflern, Enten, Gänsen und Sträußen, die auf ihren Tastsinn angewiesen sind.

Die Nerven leiten elektrische Signale ans Gehirn, die Beute in Wasser oder Schlamm lokalisieren.

Roy Smith, Doktorand an der University of Portsmouth und Co-Autor, meint: „Ich hielt Flugsaurier immer für reine Sehjäger, doch sie besaßen weitere scharfe Sinne.“

„Besonders spannend: Manche Arten könnten nachtaktiv gewesen sein, ähnlich wie Fledermäuse.“

Dr. Nick Longrich von der University of Bath ergänzt: „Oft denken wir an Flugsaurier als Luftjäger wie Möwen. Viele waren es sicher, doch Fossilien aus aquatischen Habitaten verzerren das Bild.“

„Die meisten Funde stammen aus Seen, Lagunen oder Meeren, daher dominieren Wasserjäger. Seltene Exemplare wie Lonchodraco belegen eine Vielfalt an Ernährungsweisen.“

Die Studie erscheint in der Fachzeitschrift Cretaceous Research.