Wenn Ackerland, das derzeit für Fleisch- und Milchproduktion genutzt wird, in natürliche Ökosysteme zurückgeführt würde, könnte es genauso viel Kohlendioxid (CO2) binden, wie in den letzten 16 Jahren durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt wurde.
Eine neue Studie in Nature Sustainability zeigt: Ein weltweiter Umstieg von tierischen auf pflanzliche Produkte würde enorme Flächen freisetzen. Fördert man das Wachstum einheimischer Vegetation, könnten diese Areale CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und so gegen den Klimawandel wirken.
»Die Wiederherstellung natürlicher Wälder verschafft Ländern wertvolle Zeit, um ihre Energienetze auf erneuerbare Energien umzustellen«, erklärt Matthew Hayek, Assistenzprofessor an der New York University und Leitautor der Studie.
Nutztiere emittieren viel Methan – ein Treibhausgas, das 28-mal potenter als CO2 ist. Bisher stand Methan im Fokus von Fleischkritikern, doch die Studie hebt auch das gewaltige CO2-Potenzial hervor.

»Wir haben nur Flächen kartiert, wo Samen natürlich keimen, wachsen und dichte, artenreiche Wälder bilden können, die CO2 effizient speichern«, sagt Hayek. »Insgesamt ergeben sich über 7 Millionen Quadratkilometer – eine Fläche so groß wie Russland – mit feucht genugem Klima für natürliches Nachwachsen.«
Die Forscher modellierten drei Szenarien für 2050: Business as usual mit steigendem Fleischkonsum; eine gesündere Ernährung mit 70-prozentiger Fleischreduktion; und eine vegane Ernährung.
Beim Business as usual würde weitere Abholzung für Tierhaltung drohen.
Die fleischreduzierte Variante könnte 332 Gigatonnen CO2 binden – vergleichbar mit neun Jahren fossiler Emissionen. Veganismus potenziell 547 Gigatonnen, also 16 Jahre. (1 Gigatonne = 1 Billion Kilogramm.)
In ärmeren Ländern, wo Viehzucht wirtschaftlich zentral ist, sei ein radikaler Umstieg herausfordernd, betont Hayek.
Das Team analysierte daher länderspezifische Reduktionspotenziale: »Größtes Potenzial in reichen und oberen Mittelschichtländern, wo weniger Fleisch und Milch die Ernährungssicherheit kaum beeinträchtigen.«