Die Royal Institution Christmas Lectures wurden 1825 von Michael Faraday gegründet. Jedes Jahr werden sie im britischen Fernsehen übertragen und bringen renommierte Wissenschaftler an drei Abenden in der Weihnachtszeit direkt ins Wohnzimmer.
Traditionell finden die Lectures in London statt, doch 2020 läuft alles anders.
Die Weihnachtsvorlesungen 2020 unter dem Titel Planet Earth: A User's Guide werden von Professor Chris Jackson, Dr. Helen Czerski und Dr. Tara Shine geleitet.
- Der erste Vortrag läuft heute Abend, 28. Dezember, um 20 Uhr auf BBC Four.
Im Auftaktvortrag enthüllt Geologe Chris Jackson die Klimageschichte der Erde anhand von Gesteinen und Fossilien. Wir haben ihn für eine Folge des Science Focus Podcast interviewt – anhören Sie sie weiter unten. So beschreibt Chris seine Rolle als Weihnachtsvortragsredner 2020:

Vulkane scheinen zur globalen Erwärmung beizutragen – doch es ist komplizierter, oder?
Nein. Vulkane transportieren vor allem Kohlenstoff aus dem Erdinneren an die Oberfläche. Dieser Kohlenstoff erzeugt Kohlendioxid in der Atmosphäre.
Es wirkt logisch, dass Vulkane heiß sind und ihre Eruptionen Hitze freisetzen. Tatsächlich ist es der Kohlenstoff, der CO2 erzeugt, den Treibhauseffekt verstärkt und langfristig die Erderwärmung antreibt.
Daneben gibt es einen kurzfristigen Abkühleffekt bei großen Ausbrüchen: Neben Lava schleudern Vulkane Aschepartikel – fragmentierte Gesteinsstücke – in die Atmosphäre.
Diese Partikel bilden eine Decke, die Sonnenwärme reflektiert und die Erde vorübergehend abkühlt, da weniger Strahlung die Oberfläche erreicht.
Zusammengefasst: Große Vulkanausbrüche verursachen kurzfristige Abkühlung, aber langfristige Erwärmung.
Gesteine und Fossilien zeigen menschlichen Einfluss und natürliche Klimaschwankungen. Wie hilft das bei der Bekämpfung des aktuellen Klimawandels?
Der spannende Aspekt: Viele Debatten über Klimawandel fokussieren das Heute. Geologische Archive bieten eine Basislinie – sie zeigen CO2- und Temperaturverläufe über Zehntausende bis Milliarden Jahre.
Damit können wir aktuelle und zukünftige Veränderungen einordnen.
Noch entscheidender: Wir analysieren Biodiversitätsveränderungen als Reaktion auf Temperaturschwankungen – relevant für uns Menschen.

Gesteinsarchive offenbaren, wie Biodiversität in heißen Epochen schrumpfte. Sie messen Tempo des Wandels und Lebensreaktionen.
Wie weit weichen wir von der geologischen Basislinie ab?
Vergangenheit hatte höhere CO2-Werte und Temperaturen.
Beispiellos ist die Geschwindigkeit des aktuellen Anstiegs durch menschliche Aktivitäten. Geologische Ratenvergleiche machen klar: Das hat keine Parallele in der Erdgeschichte.
Wir schreiben gerade unsere eigene Gesteinsschicht. Was verraten unsere Handlungen zukünftigen Generationen?
Viele Aktivitäten werden fossilisiert. Wie Bohrkern aus dem Meeresboden von vor 100 Millionen Jahren zeigen Schichten unseren Einfluss.
Beispiele: Plastikschichten in der Tiefsee, Radionuklide aus Atomtests – einzigartige Marker in Sedimenten.
Bei Artensterben könnte eine Schicht mit reduzierter Fossilvielfalt entstehen.
Hoffentlich entdecken zukünftige Geologen den Wendepunkt unseres Handelns.
Man hofft es. Innovationen könnten die Krise abwenden. Ob wir als Spezies überleben, ist eine andere Frage. Inspiriert: Katastrophen mit Erholung, wie bei Massenaussterben.
Ihre liebste Weihnachtsvorlesung bisher?
Ich habe keine gesehen – außer Bändern zur Vorbereitung.
Warum?
Als Kind kickte ich Fußball und kletterte Bäume, Wissenschaft interessierte mich nicht.
Wichtig: Wissenschaftler waren nicht immer wissenschaftsbegeistert. Jeder kommt anders zum Fach.
Es schmerzt etwas, ohne Vorwissen zu präsentieren.
Wie fühlt sich die Verantwortung an?
Immens. Wissenschaft muss relevant und fesselnd sein. 2020 zeigte: Geowissenschaften stark vertreten, Freunde und Familie stolz machen.
Beim Klimathema zählt Vermittlung. Lectures treiben Diskussionen voran.
Interviews mit früheren Rednern:
- 2019: Hannah Fry – Wie viel Leben wird von Mathematik gesteuert?
- 2018: Aoife McLysaght – Was macht mich zu „mir“?
- 2017: Sophie Scott – Eine Verbindung herstellen
Es geht um Repräsentation und Zugang.
Laufen die Lectures so glatt wie im TV?
Demonstrationen scheitern oft – und das ist gut! Wissenschaft ist chaotisch: Dinge kippen, explodieren, Tiere gehorchen nicht.
2020 lehrte: Ehrlichkeit über Unsicherheit ist essenziell.
Perfekte Missgeschicke in Lectures? Authentisch und unterhaltsam.
Ausblick 2021?
Demokratisierung fortsetzen: Wissenschaft aus Elfenbeintürmen in Haushalte.
Vielfalt: Wer präsentiert, zählt. Seit 1994 mehr Inklusion.
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Weitere Folgen:
- Hannah Fry: Mathematik im Leben
- Royal Institution Christmas Lectures – Vergangenheit und Gegenwart
- Sir David Attenborough: Planetenrettung
- Christiana Figueres & Tom Rivett-Carnac: Klimazukunft
- Dr. Jon Copley: Tiefsee-Geheimnisse
- Mark Miodownik: Biokunststoffe vs. herkömmliche