Es mag verlockend erscheinen, dass die Entdeckung eines Kontinents doppelt so groß wie Australien eine einfache Sache war – doch bei der Antarktis sah das anders aus.
James Cook, einer der größten Seefahrer aller Zeiten, versuchte in den 1770er Jahren zweimal, den Südlichen Ozean zu umsegeln. Er scheiterte jedoch daran, die dichte Packeisbarriere vor der Küste zu durchbrechen, und sichtete nie Land. Die von ihm beobachteten eisbedeckten Berge ließen ihn vermuten, dass weiter südlich Land existiere – allerdings so unwirtlich, dass es kaum lohne, danach zu suchen. Cook lag mit der Existenz des Landes richtig, unterschätzte jedoch seinen Wert.
Erst 50 Jahre später wurde die Antarktis gesichtet – und das fast gleichzeitig von drei Entdeckern. Die Frage, wer den Kontinent „entdeckte“, bleibt unter Historikern umstritten und hängt davon ab, was man unter Antarktis versteht.

Die erste Sichtung wird oft William Smith zugeschrieben, dem britischen Kapitän eines Frachters auf dem Weg um Kap Hoorn nach Valparaíso. Am 19. Februar 1819 wich er in der Drake-Passage einem Sturm nach Süden aus und entdeckte bei Tagesanbruch die hochaufragende, felsige Insel, die heute seinen Namen trägt.
Diese Insel gehört zu den Südlichen Shetlandinseln, dem nördlichsten Archipel der Antarktis. Smith erkannte das Potenzial durch die unzähligen Pelzrobben an der Küste – eine wahre Goldader für Robbenjäger. Er eilte nach Chile, um die Entdeckung geheim zu halten, und informierte die britische Admiralität in Santiago. Diese konfiszierte sein Schiff und beauftragte den Marinekapitän Edward Bransfield mit der weiteren Erforschung.
Im Frühling 1820 kehrten sie zurück – und stießen auf ein Schock: Mehrere Robbenjäger-Schiffe durchstreiften bereits die Inseln. Smiths Matrosen hatten im Hafen geplaudert, und die Jäger hatten das unberührte Revier nicht verpassen wollen.
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Kapitän Bransfield landete am 2. Februar 1820 und erhob Anspruch auf das Gebiet für Großbritannien. Er drang weiter südlich vor und sichtete die Trinity-Halbinsel, den nördlichsten Teil des antarktischen Festlands – landete dort jedoch nicht.
Nathaniel Palmer, ein US-amerikanischer Robbenjäger, setzte am 17. November 1820 als Erster Fuß aufs Festland.
Fabian Gottlieb von Bellingshausen aus Russland könnte jedoch der Erste gewesen sein, der das Festland erblickte. Auf einer offiziellen Expedition umrundete er die Antarktis und kam dem Packeis ähnlich wie Cook zuvor nahe. Am 27. Januar 1820 entdeckte er eine hohe Eiswand am Horizont.

Heutige Analysen zeigen, dass seine Position nahe dem Ende der Fimbulisen-Eiszunge lag, einem gewaltigen Schelfeis. Er hatte also Antarktis gesehen – doch war es festes Land oder nur Eis? Cooks Zweifel an einem wertvollen Land schienen damit bestätigt.
Vier Kandidaten also: Smith (Inseln), Bellingshausen (Schelfeis), Bransfield (Festland-Sichtung) und Palmer (Landung). Als Experte für Polarhistorie überlasse ich die Entscheidung Ihnen.