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Norwegisches Startup OceanTherm: Hurrikane durch Blasenbarrieren im Ozean schwächen

Steigende Meerestemperaturen zählen zu den gravierendsten Folgen des Klimawandels. Sie treiben den Meeresspiegelanstieg voran, beschleunigen das Schmelzen der Polkappen und verstärken Extremwetter wie Hurrikane.

Das norwegische Unternehmen OceanTherm, gegründet vom ehemaligen Marineoffizier Olav Hollingsæter, entwickelt eine innovative Lösung: Blasenbarrieren, die die Oberflächentemperatur des Ozeans kühlen, indem sie kaltes Tiefenwasser hochholen.

Hurrikane bilden sich, wenn warme Luftmassen über Ozeanwasser mit mindestens 26,5 °C aufeinandertreffen. Je höher die Wassertemperatur, desto intensiver der Sturm. Unter 26,5 °C fehlt jedoch die nötige Wärme und Verdunstung, um einen Hurrikan zu nähren – er schwächt sich ab oder entsteht gar nicht.

OceanTherm versenkt perforierte Rohre tief im Ozean, durch die Druckluft geblasen wird. Die entstehenden Blasen ziehen kühleres Wasser an die Oberfläche und senken die Temperatur unter 26,5 °C. Eine Flotte von Schiffen patrouilliert risikoreiche Zonen wie den Golf von Mexiko und errichtet einen "Blasenvorhang" auf dem Weg eines Hurrikans, um ihn zu mindern oder zu verhindern.

Diese Technik greift auf bewährte Prinzipien zurück: Norwegen nutzt seit Langem Blasenbarrieren, um Fjorde im Winter eis-frei zu halten – hier bringen Blasen Wärme nach oben, anders als bei OceanTherm.

Die Methode muss noch in einem realen Hurrikan erprobt werden. Hollingsæter betont, dass intensive Forschung für Wirtschaftlichkeit nötig ist. Kritiker wie Bill McGuire, emeritierter Geowissenschaften-Professor am University College London, sehen die Skalierbarkeit als Herausforderung: "Der Unterschied zwischen einem Fjord und einem Sturm mit der Kraft Tausender Atombomben ist enorm."

Praktische Hürden wie Schiffsflotten-Logistik und Kosten (ca. 500 Mio. USD Startinvestition, über 80 Mio. USD jährlich) wirken abschreckend. Doch im Vergleich zu Hurrikanschäden (54 Mrd. USD pro Jahr, Congressional Budget Office) könnte sich die Investition lohnen.

Trotzdem plädieren Experten für kostengünstigere Ansätze: Bessere Prognosen, resiliente Bauweisen, Landnutzungsplanung, Warnsysteme und – vor allem – Reduktion von Treibhausgasen, um stärkere Stürme zu vermeiden, so McGuire.

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