Die COVID-19-Pandemie hat das Homeoffice massiv vorangetrieben. Eine Umfrage des britischen Parlaments aus April 2020 zeigte, dass 47 Prozent der Berufstätigen im Vereinigten Königreich zumindest teilweise von zu Hause arbeiteten – im Vergleich zu nur 30 Prozent im Vorjahr.
Viele Experten gehen davon aus, dass die Bürobelegung nie wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehrt. Laut einer YouGov-Umfrage von 2021 erwarteten 70 Prozent der Befragten weniger Büropräsenz, und 60 Prozent bevorzugten zumindest teilweises Homeoffice.
Auf den ersten Blick wirkt Homeoffice umweltfreundlich: Es reduziert Pendelstrecken und spart Energie für Beleuchtung, Heizung und Kühlung in Büros. Selbst die Europäische Kommission schloss 2021 die Hälfte ihrer 50 Brüsseler Büros, um nachhaltiger zu werden.
Die Internationale Energieagentur (IEA) analysierte 2020: Für Pendler mit mehr als sechs Kilometern Auto-Weg spart Telearbeit Emissionen – trotz höherem Heimantrieb. Weltweit könnten 20 Prozent der Jobs vollständig remote erledigt werden. Bei drei Homeoffice-Tagen pro Woche wären das 80 Millionen Tonnen CO2 Einsparung jährlich, vergleichbar mit Chiles Gesamtemissionen.
"Homeoffice ist eine Schlüssel-Verhaltensänderung für Netto-Null bis 2050", betont IEA-Energieanalystin Ariane Millot. "Es beschleunigt CO2-Reduktionen für 1,5-°C-Ziele und verbessert die Luftqualität."
Doch bei genauerer Betrachtung ist das Bild nuancierter, warnt Dr. Andrew Hook, Humangeograph an der University of Sussex und Autor einer Meta-Studie von 39 Untersuchungen zu Telearbeit und Klima. "Strengere Analysen zeigen geringere Einsparungen – manche sogar Netto-Mehrverbrauch."
Gründe: Homeworker ziehen öfter weiter weg, pendeln länger an Büro-Tagen, reisen mehr privat oder verbrauchen mehr zu Hause. Büros bleiben energieintensiv, auch halb leer. Ein Carbon-Trust-Bericht 2021 ergab: Deutsche Zugpendler haben im Winter oft niedrigere Emissionen im Büro als zu Hause – ganzjährig spart Homeoffice jedoch in sechs europäischen Ländern.
"Mehr Telearbeit kann Energie sparen und Lebensqualität steigern", sagt Hook. "Um Vorteile zu maximieren, braucht es smarte Stadtplanung – Cafés fußläufig – und effiziente Häuser."
Der Impact hängt von Land, Wirtschaft und Digitalisierung ab, meint Millot. Mit gezielter Förderung kann Homeoffice spürbar Emissionen senken.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 371 des BBC Science Focus Magazine.