Permafrost – also Boden, der über zwei Jahre hinweg durchgehend gefroren bleibt – bedeckt fast ein Viertel der Landfläche der nördlichen Hemisphäre. Die tiefsten Schichten reichen bis zu einer Meile in die Erde, und die ältesten Teile sind mehr als 600.000 Jahre alt.
Mit der globalen Erwärmung wird der Permafrost an vielen Stellen instabil, etwa in Kanada, Alaska und Sibirien.
Technisch taut er auf, statt zu schmelzen. Die Sorge ist berechtigt: Experten prognostizieren, dass bis 2100 bis zu zwei Drittel des oberflächenahen arktischen Permafrosts verloren gehen könnten. Damit könnten Viren und Bakterien freigesetzt werden, die seit Zehntausenden Jahren isoliert waren.
2016 erkrankten in Sibirien rund 100 Menschen an Milzbrand, ein 12-jähriger Junge starb – der erste Ausbruch seit über 70 Jahren. Ursache: Milzbrandsporen aus einem jahrzehntealten Rentierkadaver, freigelegt durch tauenden Permafrost.
Ein Gramm Permafrost birgt Tausende ruhender Mikrobenarten. Forscher warnen: Tauen könnte nicht nur besiegt geglaubte Krankheiten wie Pocken oder Beulenpest reaktivieren, sondern auch unbekannte Erreger freisetzen, gegen die wir keine Immunität, Antibiotika oder Impfstoffe haben.
Das Risiko hängt vom menschlichen Kontakt ab. Derzeit leben weniger als fünf Millionen Menschen in Permafrostregionen. Doch Erwärmung schafft neue Schifffahrtsrouten, fördert Ressourcenabbau, Handel und Tourismus in der Arktis – und damit die Gefahr einer globalen Ausbreitung alter Pathogene.